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Mittel- und Osteuropa bleibt interessant für deutsche Unternehmen

Umfrageergebnisse von 15 Auslandshandelskammern aus der Region liegen vor

22.06.2010

Mittel- und Osteuropa ist nicht nur als Investitionsziel, sondern auch als Handelspartner ein wichtiger Pfeiler der deutschen Wirtschaft. Nachdem die Region bisweilen stark von der Wirtschaftskrise betroffen war, hat sich die makroökonomische Lage nach Ansicht der deutschen Unternehmen vor Ort weitestgehend stabilisiert und die Prognosen für 2010 sind sogar leicht positiv. Ungeachtet vereinzelt vorhandener Kritik an den unternehmerischen Rahmenbedingungen, steht die große Mehrheit der deutschen Investoren zu ihrem Standort und würde erneut in dem jeweiligen Land investieren. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage der deutschen Auslandshandelskammern (AHKs) unter 974 deutschen Unternehmen in 15 Ländern Mittel- und Osteuropas.

Mittel- und Osteuropa ist eine der wichtigsten Zielregionen deutscher Investitionen und unverzichtbarer Bestandteil der Auslandsaktivitäten der deutschen Wirtschaft. Deutsche Unternehmen haben bis Ende 2008 rund 77 Mrd. Euro in den zehn osteuropäischen EU-Mitgliedsstaaten investiert. Damit entfallen auf sie bereits über 8 Prozent des gesamten Bestandes deutscher Direktinvestitionen im Ausland. Rechnet man auch die Staaten des westlichen Balkan und der ehemaligen Sowjetunion hinzu, so ergibt sich für Osteuropa insgesamt ein deutscher Direktinvestitionsbestand von mehr als 102 Mrd. Euro. Mit 11 Prozent erreicht die Region damit fast die Hälfte des Anteils der USA als wichtigstem Zielland deutscher Investitionen.

Auch als Handelspartner spielt Mittel- und Osteuropa eine starke Rolle für die deutsche Volkswirtschaft. Im vergangenen Jahr wurden rund 16 Prozent aller deutschen Ausfuhren und Einfuhren mit den mittel- und osteuropäischen Beitrittsländern sowie den übrigen Länder des westlichen Balkan und der ehemaligen Sowjetunion abgewickelt. Damit ist die Region für den deutschen Export fast so wichtig wie die beiden größten Handelspartner Frankreich und die USA, die zusammengenommen knapp 17 Prozent aller Ausfuhren aus Deutschland abnehmen.

Konjunktur: Erste Anzeichen der Besserung sind erkennbar

In der gegenwärtigen Wirtschafts- und Finanzkrise bedeutet diese starke Verflechtung zwischen Deutschland und Mittel- und Osteuropa aber auch, dass sich die negativen Folgen des weltweiten Konjunkturabschwungs auch auf die deutschen Unternehmen vor Ort auswirken. Vor allem der starke Einbruch der Binnennachfrage hat sich negativ auf die Entwicklung der wirtschaftlichen Aktivität der deutschen Unternehmen ausgewirkt und ihre Umsätze und Gewinne im vergangenen Jahr um durchschnittlich 30 Prozent sinken lassen. Dennoch zeigen sich die Befragten im Hinblick auf das eigene Unternehmen zuversichtlich und sehen diese auch in den kommenden Jahren überwiegend auf Erfolgskurs. Spürbare Auswirkungen und Wachstumsimpulse für die Arbeits- und Absatzmärkte werden sich hieraus zunächst aber nur vereinzelt ergeben, da sich die Mehrzahl der Unternehmen verhalten abwartend präsentiert und zunächst nur vorsichtige Beschäftigungs- und Investitionspläne hegt.

Denn ungeachtet der zuversichtlichen Erwartungen an das eigene Unternehmen können sich die deutschen Firmen dem nach wie vor schwierigen und mit hoher Unsicherheit belasteten gesamtwirtschaftlichen Umfeld nur schwer entziehen. Die wirtschaftliche Erholung wird in Mittel- und Osteuropa als eine der am stärksten von der Krise betroffenen Regionen wohl mehr Zeit in Anspruch nehmen als in westlichen Industrieländern. Nach deutlichen Rückgängen der Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr rechnen daher rund 70 Prozent der Unternehmen für 2010 allenfalls mit Stagnation oder einem moderaten BIP-Wachstum in den mittel- und osteuropäischen Staaten. Das Stimmungsbarometer zeigt aber in fast allen Ländern der Region nach oben. Am optimistischsten sind dabei die deutschen Unternehmen in Polen und Estland.

„Die Einschätzungen der Unternehmen zeigen den berühmten Silberstreif am Horizont. Zwar ist die Finanz- und Wirtschaftskrise nach wie vor noch nicht überwunden. Die Erwartungen der deutschen Unternehmen zeigen aber eine klare Aufwärtstendenz“, kommentiert Maren Diale-Schellschmidt, Geschäftsführerin der Deutsch-Baltischen Handelskammer in Estland, Lettland, Litauen (AHK), die Umfrageergebnisse. „Nachdem die meisten Länder die Talsohle der Rezession bereits durchschritten haben, wird sich die wirtschaftliche Lage in Mittel- und Osteuropa weiter stabilisieren und die Region voraussichtlich 2011 wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren.“

Damit die Überwindung der Krise und der Brückenschlag zum nächsten Aufschwung gelingen, fordern die deutschen Unternehmen von den Regierungen der mittel- und osteuropäischen Staaten umfassende Maßnahmen zur Stabilisierung der Wirtschaft und der makroökonomischen Gesamtsituation. Die bislang eingeleiteten Schritte entsprechen aber nur bedingt den Erwartungen der Befragten: Rund eineinhalb Jahre nach Ausbruch der Krise beurteilt nur jedes sechstes Unternehmen die ergriffenen Mittel als zielführend und ausreichend. Neben intensiveren Maßnahmen und Impulsen zur Förderung von Exporten und Investitionen erwarten die Unternehmen nachdrücklich die Schaffung von verlässlichen Rahmenbedingungen für unternehmerische Entscheidungen und Planungen.

Klare Bestätigung der Standortwahl und Investitionsentscheidung

Doch selbst wenn die Wirtschaftspolitik oft Anlass zur Kritik gibt: Die große Mehrheit der deutschen Investoren in Mittel- und Osteuropa steht zu ihrem Standort und würde sich wieder für den gewählten Standort entscheiden. Insgesamt 84 Prozent der Befragten gaben an, dass sie ihre Investition unter heutigen Bedingungen wiederholen würden. Dies ist der höchste Wert seit der erstmaligen Durchführung der Umfrage vor fünf Jahren. Punkten kann Mittel- und Osteuropa dabei insbesondere mit der Qualifikation, Leistungsbereitschaft und Produktivität der Arbeitskräfte. Daneben hat sich im Vergleich zu den Vorjahren auch die Verfügbarkeit von Fachkräften verbessert.

Die positive Einstellung zum eigenen Standort ist in den meisten Ländern stark ausgeprägt. Die zufriedensten Unternehmen sitzen dabei in Estland. Der nördlichste baltische Staat erzielt gleich in mehreren Standortkategorien Bestnoten – unter anderem bei der Steuerbelastung, dem Steuersystem und der politischen Stabilität. Daneben herrscht dort die mit Abstand höchste Zufriedenheit mit der Zugehörigkeit zur EU. Gleichzeitig ist der mittlerweile greifbare Wunsch nach Einführung des Euro in Estland am deutlichsten ausgeprägt. Doch auch in den anderen Ländern befürworten im Durchschnitt so viele Befragte wie nie zuvor die Übernahme der Gemeinschaftswährung

Standortattraktivität im Vergleich: Tschechien erneut Spitzenreiter

Attraktivster Standort aus der Sicht von deutschen Unternehmen ist nach wie vor Tschechien. Bereits zum fünften Mal in Folge bekam das Land die beste Bewertung. Direkt dahinter folgt Polen, das als einziges Land in Mittel- und Osteuropa die Krise ohne negative Wachstumszahlen gemeistert hat und sich demnach auch in der Gesamtwertung um zwei Plätze verbessert hat. Auf den weiteren Plätzen folgen Slowenien und die Slowakei.

Die Platzierungen der baltischen Staaten haben sich gegenüber 2009 leicht nach unten verschoben, sie rangieren aber nach wie vor in unveränderter Reihenfolge im Mittelfeld. Ausschlaggebend für die schlechtere Bewertung im Vergleich zum Vorjahr war dabei vor allem das externe Urteil der Befragten aus den anderen mittel- und osteuropäischen Staaten, da seitens der deutschen Unternehmen in Estland, Lettland und Litauen nur vereinzelt andere Länder als Alternativstandorte wahrgenommen werden.

Ansonsten hat es im Ranking kaum Veränderungen gegenüber dem Vorjahr gegeben. Am unteren Ende der Skala finden sich nach wie vor die meisten Länder des westlichen Balkan und die erstmals in die Bewertung aufgenommene Republik Belarus.

Weitere Informationen:

Konjunkturumfrage 2010

Kontaktdaten

Deutsch-Baltische Handelskammer in Estland, Lettland und Litauen

Alexander Welscher

Telefon(+371) 67 320 - 724

E-Mail: alexander@ahk-balt.org

Internet: Deutsch-Baltische Handelskammer in Estland, Lettland, Litauen


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