Lateinamerikas Automobilmarkt überholt Deutschland
In Brasilien werden 60 Prozent der Fahrzeuge verkauft
21.06.2010
Die Automobilindustrie Lateinamerikas wird immer attraktiver für internationale Investoren. Ein schnelles Krisenende und ein eindrucksvolles Comeback der Nachfrage bewirken einen Anstieg der Investitionsprojekte. Wegen ihrer besonders dynamischen Entwicklung war die Automobilbranche auch Thema auf der diesjährigen Lateinamerika-Konferenz der Deutschen Wirtschaft vom 16. bis 18. Juni in Mexiko-Stadt. Im Forum "Automobil – Potenziale in Lateinamerikas Automobilindustrie nach der Krise" präsentierte Germany Trade & Invest gemeinsam mit den Partnern der Lateinamerika-Initiative der Deutschen Wirtschaft aktuelle Trends und Perspektiven der Brache.
Alle wichtigen Märkte der Region steigern 2010 Produktion und Absatz deutlich. Mittlerweile werden in Lateinamerika mehr Autos produziert und verkauft als in Deutschland. Kombiniert ergeben Nord- und Südamerika den größten Automobilmarkt der Welt.
In Brasilien werden etwa 60 Prozent der Fahrzeuge der Region verkauft. Hier legte die Zahl der Neuzulassungen zwischen Januar und Mai um etwa 15 Prozent und die Produktion um 21 Prozent zu. Konjunkturmotor ist der starke Inlandsmarkt, der wegen wachsender Einkommen und reichlich vorhandener Kredite immer neue Rekordmarken nimmt. Von diesem Boom profitiert auch das benachbarte Argentinien, mit dem die brasilianische Kfz-Industrie eng verzahnt ist. Während neun von zehn argentinischen Exportfahrzeugen in das Nachbarland Brasilien geliefert werden, schickt Brasilien rund die Hälfte seiner Ausfuhr nach Argentinien. Ebenso eng verknüpft sind Mexiko und die USA. Mexiko produziert SUV und Pickups für den US-Markt und importiert im Gegenzug einen Großteil seines Inlandbedarfs. Eine besondere Stärke Lateinamerikas ist die geringe Marktdurchdringung, die für die nächsten Jahre ein gemeinsames Wachstum aller Hersteller verspricht.
Im Forum deutete Otto Lindner, Vorstandsvorsitzender von Volkswagen de México, eine mögliche Strategie an, die Produktion der beiden wichtigsten Produktionsstandorte Mexiko und Brasilien abzustimmen, um Schwellenländer mit einem subkompakten Fahrzeug zu beliefern. Im Nutzfahrzeugsektor schöpft die Brache Hoffnung aus der wiederkehrenden US-Konjunktur, denn etwa 90 Prozent der Exporte gehen in die USA. Zu dieser Entwicklung passt, dass Daimler erst kürzlich im nordmexikanischen Saltillo seine weltweit modernste Fabrik eröffnete. Hier werden Lkw für den Export in die USA gefertigt.
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