Internationale Organisationen

Internationale Organisationen

Vereinte Nationen

Die Vereinten Nationen (VN oder UN) gelten als der größte einzelne Einkäufer von Waren und Dienstleistungen der Welt. Sowohl die Vereinten Nationen selbst als auch die diversen VN-Hilfsprogramme und -fonds kaufen die unterschiedlichsten Dinge: Von Nahrungsmitteln und Medikamenten über Baumaschinen und Geräte bis hin zu Software-Entwicklung und Unternehmensberatung.

Allgemeine Informationen zur Auftragsvergabe

Bei der Vergabe von Aufträgen spielen die Vergabeverfahren eine gewichtige Rolle. Auch bei internationalen Organisationen gibt es offene Verfahren, zum Beispiel das International Competitive Bidding, nicht offene Verfahren wie das Limited International Bidding oder Direktvergabe-Verfahren.

Beliebt ist der Einsatz von Bieter-Registern und Short-List-Verfahren. Schwellenwertkonzepte, die bestimmen, welches Vergabeverfahren durchgeführt wird, sind ebenfalls häufig anzutreffen. Die Schwellenwerte können dabei zwischen den VN-Organisationen variieren. Im Einzelnen werden die folgenden Verfahren angewendet:

  • Direkte Auftragsvergabe (Direct Selection)
    Bei Auftragsvolumina bis 30 000 US-Dollar wird von der beschaffenden Stelle ein Lieferant ohne Ausschreibungsverfahren ausgewählt. In der Regel werden von drei Anbietern Vergleichsangebote eingeholt, bevor auf Basis dieser Angebote entschieden wird. Es wird der Lieferant ausgewählt, der die speziellen Anforderungen und Lieferbedingungen zum günstigsten Preis erfüllt.

  • Beschränkte Ausschreibung (Limited competitive bidding)
    Bei Aufträgen, deren Volumen zwischen 30 000 und 100 000 US-Dollar liegt, werden ausgewählte Lieferanten aufgefordert, versiegelte Angebote für den ausgelobten Beschaffungsauftrag abzugeben.

    Bei der Auswahl der Lieferanten für die "short list", der Liste der Unternehmen, die zur Abgabe von Angeboten aufgefordert werden, greifen die Beschaffer in der Regel auf die Lieferantendatenbanken ihrer Organisation oder das VN-weite zentrale Register bereits aktiver und potenzieller Lieferanten zurück. Um bei der Aufstellung von "short lists" für beschränkte Ausschreibungen berücksichtigt zu werden, ist der Eintrag in die entsprechenden Datenbanken unabdingbar.

  • National / International Offene Ausschreibungen
    (National / International Competitive Bidding)
    Liegt das Auftragsvolumen über 100 000 US-Dollar, erfolgt in aller Regel eine internationale, offene Ausschreibung. Nicht selten werden Aufträge aber, insbesondere, wenn sie nicht direkt über die VN, sondern über ein Empfängerland abgewickelt werden, nur national ausgeschrieben. Wenn die Anforderungen eines Projekt es erlauben, werden Lieferanten auf verschiedenen Wegen zur Abgabe von Angeboten aufgefordert:

    Es werden entsprechende Anzeigen geschaltet in der VN-Publikation "Development Business". Im Bereich "Business Opportunities" des Web-Angebots www.iapso.org des Interagency Procurement Services Office wird auf die Aufforderung zur Abgabe von Angeboten hingewiesen.

    Unternehmer, die mit den Vereinten Nationen oder einer ihrer Organisationen ins Geschäft kommen wollen, müssen deshalb aktiv selbst nach Informationen über genehmigte Projekte und andere Geschäftsmöglichkeiten suchen. Damit verbunden sein sollte eine aktive Selbstvermarktung bei der entsprechenden VN-Organisation.

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Auftragsvergabe in den Organisationen der VN

Es gibt keine zentrale Beschaffungsstelle, sondern jede VN-Organisation führt eigene Ausschreibungen durch. Interessierte Unternehmen sollten sich daher zunächst im Internet über die Ausschreibungen der verschiedenen Organisationen informieren und so die Beschaffungsstelle ermitteln, deren Bedarf am besten zum eigenen Produktprogramm passt. Die jeweils gültigen Vorschriften zur Registrierung und Angebotsabgabe sind genau zu beachten.

Die deutschen Auslandsvertretungen, z.B. in New York, Genf oder Kopenhagen, unterstützen deutsche Unternehmen bei der Akquisition von Aufträgen.Die Vereinten Nationen bilden mit ihren Unterorganisationen ein breites Geflecht, um ihre vielfältigen Aufgaben wahrzunehmen. Auf der folgenden Seite finden Sie eine Überblick über die Unterorganisationen der Vereinten Nationen.

Weltbank

Projekte oder Ausschreibungen, die von der Weltbank und/oder der IDA mit finanziert werden, unterliegen den im Darlehens- bzw. Kreditvertrag (zwischen Regierung des betreffenden Entwicklungslands mit der Weltbank/IDA) festgelegten Beschaffungsrichtlinien.

Diese Richtlinien beschreiben die Verfahren und Methoden zur Beschaffung von Dienstleistungen und Ausrüstungsgütern. Sie legen auch die Auftragsschwellenwerte, die Überwachungs- und Auswertungsmethoden sowie die Präferenzregeln für die Beschaffung aus Entwicklungsländern.

Wichtig zu wissen ist, dass die Beschaffungen von den jeweils im Entwicklungsland zuständigen Beschaffungsbehörden oder ausschreibenden Stellen erfolgt, nicht von der Weltbank oder der IDA.

Da sich die speziellen Beschaffungsregeln und -methoden je nach Projekttyp unterscheiden, hat die Weltbank folgende Zielsetzungen für ihre Beschaffungspolitik geschaffen:

  • Darlehens- und Kreditmittel werden ausschließlich dazu eingesetzt, die zur Realisierung des Projekts notwendigen Güter und Dienstleistungen zu erwerben und diese auf die effizienteste und wirtschaftlichste Art und Weise zu beschaffen.
  • Sämtlichen qualifizierten Anbietern aus den bietungsberechtigten Mitgliedsländern der Weltbank sind gleiche Chancen beim Auftragswettbewerb einzuräumen.
  • In den Nehmerländern, also den Kredit oder Darlehen aufnehmenden Entwicklungsländern ist die Entwicklung der lokalen Wirtschaft zu fördern.
  • Das Beschafffungswesen ist transparent zu gestalten.

Das wichtigste Beschaffungsverfahren bei Weltbank/IDA finanzierten Projekten ist das internationale Ausschreibungsverfahren (ICB). Interessierte Unternehmen haben die Möglichkeit, die Beschaffungsrichtlinien und die von der Weltbank ausgearbeiteten Standard-Ausschreibungsunterlagen (Standard Bidding Documents) auf der Website der Weltbank in Erfahrung zu bringen bzw. herunter zu laden.

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Organisationen der Weltbankgruppe

Die Weltbankgruppe ist eine Familie internationaler Entwicklungsinstitutionen, die den Entwicklungs- und Schwellenländern (emerging markets) Finanzierungsmittel und Beratungsleistungen im Zusammenhang mit der Förderung von Entwicklungsprojekten und Wirtschaftsreformen zur Verfügung stellt.

Die Weltbankgruppe besteht aus mehreren Organisationen: Die Weltbank im engeren Sinne bilden die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (IBRD) und die Internationale Entwicklungsorganisation (IDA). Zur Familie zählen aber ebenso die Internationale Finanz-Corporation (IFC), die Multilaterale Investitionsgarantie-Agentur (MIGA) und das Internationale Zentrum zur Beilegung von Investitionsstreitigkeiten (ICSID). Alle Institutionen zusammen werden als Weltbankgruppe bezeichnet.

Regionale Entwicklungsbanken

Die regionalen Entwicklungsbanken und die zugehörige Spezialinstitute für den privaten Sektor finanzieren Projekte und Programme Mitgliedsländern der betreffenden Region. Im Übrigen operieren sie nach ähnlichen Prinzipien wie die Weltbankgruppe: Überwiegend stellen sie für Investitionen im öffentlichen Sektor einen Teil der notwendigen Finanzierung zur Verfügung. Ferner finanzieren sie Devisenbedarf, der im Zuge von Strukturreformen in Wirtschafts- und Sozialsektoren entsteht.

In begrenztem Umfang arbeiten die regionalen Entwicklungsbanken auch unmittelbar mit der privaten Wirtschaft zusammen. Die Inter-Amerikanische Entwicklungsbank (IDB) kann seit 1995 privatisierte Infrastrukturprojekte fördern, ohne dass die Regierung des Projektstandorts für den Kredit haftet. Zur IDB gehört seit einigen Jahren ein Spezialinstitut, die Inter-Amerikanische Investitionsgesellschaft (IIC), das wie die IFC der Weltbankgruppe Privatunternehmen, besonders Klein- und Mittelindustrie, durch Kredite und Eigenkapitalbeteiligung fördert.

Die Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB) und die Asiatische Entwicklungsbank (AsDB) stellen weniger als fünf Prozent ihrer Zusagen direkt für Maßnahmen des privaten Sektors zur Verfügung. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) soll dagegen laut Statut sogar 60% ihrer Mittel für die Förderung des privatwirtschaftlichen Bereichs einsetzen. Sie kann sich auch am Eigenkapital von Firmen beteiligen.

Die Kreditzusagen der Regionalbanken erfolgen überwiegend aus den so genannten ordentlichen Mitteln. Dies sind in erster Linie Mittelaufnahmen auf dem Kapitalmarkt, die durch das Haftungskapital der Mitglieder garantiert sind, ferner die aus den Gewinnen gebildeten Reserven und der eingezahlte Teil des Eigenkapitals. Die Regionalbanken können aufgrund der Haftung der Industrieländer die jeweils niedrigsten gültigen Marktzinsen erhalten und reichen die Mittel mit einem Aufschlag von rund 0,5 Prozentpunkten an die Entwicklungsländer weiter.

Den ärmsten kreditnehmenden Ländern werden zinsgünstige, so genannte konzessionäre Kredite aus von den Geberländern gespeisten Sonderfondsgewährt. Diese Fonds spielen insbesondere für AsDB und AfDB eine große Rolle, da die meisten und bevölkerungsstärksten der armen Länder zu ihren Kreditnehmern gehören.

Die EBWE hat keine konzessionären Mittel. Sie verfügt aber über erhebliche Treuhandmittel der einzelnen Geber, aus denen technische Zusammenarbeit in beschränktem Umfang gefördert werden kann. Die anderen Regionalbanken können für diesen Zweck auf Teile ihres Gewinns oder auf besondere Tranchen ihrer Sonderfonds zurückgreifen und haben ebenfalls Treuhandmittel bilateraler Geber zur Verfügung, wenn auch in geringerem Umfang.

Für die Zusammenarbeit der Bundesregierung mit der IDB, der AsDB, der AfDB und der Karibischen Entwicklungsbank (CDB) ist das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) federführend. Bei der EBWE ist dies das Bundesministerium der Finanzen (BMF).

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