Zahlungsabwicklung

Zahlungsabwicklung

Dokumenten-Akkreditiv

(letter of credit (l/c)

Um das Zahlungsrisiko noch stärker als beim Dokumenteninkasso zu reduzieren, kann der Exporteur auch die Zahlung aus einem Dokumentenakkreditiv vereinbaren.

Akkreditive stellen die häufigste Form der Zahlungsabwicklung bei internationalen Geschäften dar. Es handelt sich dabei um das abstrakte Schuldversprechen einer Bank (Importeurs- bzw. Akkreditivbank), dem Exporteur gegen Vorlage bestimmter Dokumente den Kaufpreis für seine Lieferung auszuzahlen.

Das Akkreditiv ist dabei grundsätzlich losgelöst vom Grundgeschäft zu sehen ("abstrakt"). Das heißt, die Bank ist - unabhängig vom eigentlichen Geschäft - zur Zahlung des Akkreditivbetrages verpflichtet, sobald ihr die entsprechenden Dokumente frist- und formgerecht vorgelegt werden.

Abwicklung

1. Der Importeur (Akkreditivsteller) beauftragt eine Bank (Akkreditivbank), gegen Vorlage bestimmter Dokumente eine Zahlung an den Exporteur zu leisten.

Die Aufträge zur Eröffnung von Akkreditiven sowie die Akkreditive selbst müssen genaue Angaben enthalten, gegen welche Dokumente gezahlt werden soll. In der Regel sind dies Handelsrechnung, Transport- und Versicherungsdokumente. Den Banken liegen für Akkreditivaufträge standardisierte Formulare vor, mit denen gewährleistet wird, dass der Importeur vollständige Weisungen erteilt.

2. Die Akkreditivbank sendet eine Akkreditiv-Eröffnungsanzeige an die Bank des Exporteurs (Avisbank). Die Avisbank teilt dem Exporteur die Akkreditiveröffnung mit und übersendet ihm eine Kopie des Akkreditivs mit den einzelnen Akkreditivbedingungen.

Der Exporteur muss genau prüfen, ob der Inhalt richtig ist und den vertraglichen Vereinbarungen entspricht. Sind die Bedingungen korrekt, veranlasst der Exporteur den Versand der Ware.

3. Der Exporteur reicht die erforderlichen Dokumente bei seiner Bank ein. Diese prüft die Dokumente auf Form und Inhalt. Sofern sich keine Beanstandungen ergeben, zahlt die Avisbank dem Exporteur daraufhin die vereinbarte Summe aus.

Die Dokumente müssen exakt den Akkreditiv-Bedingungen entsprechen und sorgfältig ausgestellt werden! Bereits geringfügige Abweichungen können eine Zahlungsverweigerung der Bank zur Folge haben.

4. Die Avisbank sendet die Dokumente an die Akkreditivbank. Diese übergibt sie dem Importeur, der damit zur Übernahme der Ware berechtigt ist.

Vorteile von Akkreditiven

Die Zahlungsabwicklung über Akkreditive bietet beiden Vertragspartnern Vorteile.

Für den Exporteur stellt das Akkreditiv eine Absicherung seiner Forderung dar, da er die Ware erst nach Eröffnung des Akkreditivs versendet und den Betrag unmittelbar nach Vorlage der vereinbarten Dokumente erhält. Der Importeur seinerseits hat die Sicherheit, dass die Zahlung nur erfolgt, wenn der Exporteur die Erfüllung aller Akkreditivbedingungen anhand von Dokumenten nachgewiesen hat.

Akkreditive unterliegen den "Einheitlichen Richtlinien und Gebräuchen für Dokumenten-Akkreditive" (ERA). Sie haben zwar keine Gesetzeskraft, sind jedoch für alle Beteiligten bindend und sorgen für eine einheitliche Auslegung von Begriffen, Haftung und Anforderungen an Dokumente und Verantwortlichkeiten.

Neue Richtlinie für Akkreditive

Seit dem 1. Juli 2007 gelten neue "Einheitliche Richtlinien und Gebräuche für Dokumentenakkreditive (ERA)". Die bis dahin gültige Version ERA 500 wurden mit diesem Stichtag von den neuen ERA 600 abgelöst.


Mit den neuen Regeln wurden praktische Erfahrungen umgesetzt und verschiedene Vereinfachungen eingeführt. Die wesentlichen Änderungen sind auf der der Homepage der Internationalen Handelskammer (ICC) beschrieben.


Die Einheitlichen Richtlinien und Gebräuche für Dokumentenakkreditive (ERA) – auch unter der englischen Bezeichnung "Uniform Customs and Practice for Documentary Credits (UCP)" bekannt – definieren seit 1933 die Regeln für die Abwicklung internationaler L/C-Geschäfte.


Arten von Akkreditiven

Es werden verschiedene Arten von Akkreditiven unterschieden, die hier jedoch nur kurz genannt werden können. Ausführliche Informationen hierzu enthalten die Merkblätter der Industrie- und Handelskammern, die in der Linkliste weiter unten aufgeführt sind.

Hinsichtlich der Sicherheit für den Exporteur unterscheidet man unwiderrufliche, bestätigte und unbestätigte Akkreditve.

Bei unwiderruflichen Dokumentenakkreditiven hat die Akkreditivbank eine feststehende (unwiderrufliche) Verpflichtung zur Zahlung gegenüber dem Exporteur. Widerrufliche Akkreditive, die von der Akkreditivbank bis zum Zeitpunkt der Dokumentenaufnahme jederzeit geändert oder annulliert werden können, gibt es seit Inkrafttreten der ERA 600 (siehe Kasten) nicht mehr.

Bestätigte Akkreditive sind abgesichert durch ein zusätzliches Zahlungsversprechen, mit dem die Akkreditivbank eine weitere Bank beauftragt. Dies bedeutet für den Exporteur eine zusätzliche Sicherheit, etwa im Falle der Zahlungsunfähigkeit der Akkreditivbank. Bei unbestätigten Akkreditiven haftet die Akkreditivbank allein für die Zahlung des Kaufpreises.

Nach ihren Zahlungs- bzw. Benutzungsmodalitäten unterscheidet man darüber hinaus folgende Arten von Akkreditiven:

  • Sicht-Akkreditiv (sight payment)
  • Akkreditiv mit Zahlungsziel (deferred payment)
  • Akzept- und Remboursakkreditiv
  • Übertragbares Akkreditiv (transferable l/c)
  • Gegenakkreditiv (back-to-back l/c)
  • Revolvierendes Akkreditiv (revolving l/c)

Erläuterungen zu den genannten Akkreditiv-Formen finden Sie im Merkblatt der IHK Köln (siehe Linkliste), das auch Checklisten für die Abwicklung von Akkreditiv-Geschäften enthält.

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