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12.07.2018

Deutsche Automobil­industrie in China gut unterwegs

5. Deutsch-Chinesische Regierungskonsultationen: Hersteller zeigen automatisierte Fahrfunktionen

(VDA) - „China ist ein wichtiger Partner Deutschlands für Handel und Investitionen. Das gilt in besonderer Weise auch für die Automobilindustrie. Die Zusammenarbeit mit unseren chinesischen Partnern ist über viele Jahre gewachsen“, sagte Bernhard Mattes, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), heute (10. Juli 2018) bei einer Fahrzeugpräsentation auf dem Tempelhofer Feld in Berlin. Anlässlich der 5. Deutsch-Chinesischen Regierungskonsultationen wurden dort Projekte aus deutsch-chinesischen Kooperationen vorgestellt und automatisierte Fahrfunktionen präsentiert. An der Präsentation nahmen Bundeskanzlerin Angela Merkel und der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang teil. Zudem wurden Kooperationsverträge zwischen deutschen Herstellern und Firmen aus China unterzeichnet, sowie zwischen VDA und dem Verband der chinesischen Automobilhersteller CAAM und dem China National Technical Committee for Automotive Standardisation (NTCAS) ICV Subcommittee zur Zusammenarbeit beim vernetzten und automatisierten Fahrzeug.

„Die deutsche Automobilindustrie ist in China gut unterwegs. Jedes fünfte Auto, das dort zugelassen wird, kommt von deutschen Herstellern“, sagte Mattes. Seit Beginn des Jahrzehnts haben die deutschen Hersteller die Zahl ihrer Fabriken in China auf rund 30 mehr als verdreifacht. 2017 fanden dort 30 Prozent der Weltproduktion der deutschen Konzernmarken statt. Die deutschen Zulieferer haben in China aktuell rund 320 Standorte. Gegenüber dem Jahr 2010 haben sie ihre Präsenz damit um mehr als 75 Prozent ausgebaut. Sie beschäftigen mehr als 100.000 Mitarbeiter.

Der VDA-Präsident wies auf die deutschen Aktivitäten zur Entwicklung von Zukunftstechnologien in China hin. Mattes: „Mit besonderem Engagement treiben unsere Automobilunternehmen Projekte rund um das automatisierte Fahren voran. So testen deutsche Hersteller ihre automatisierten Fahrfunktionen auf den Staßen von Peking und Shanghai. Es ist gut, dass die chinesische Regierung hierfür die Erlaubnis erteilt hat. Künftig sollten Tests auch auf Autobahnen möglich sein. Zudem sollte der Zugang zu hoch auflösenden Echtzeitkarten verbessert werden.“ Als sehr positiv bewertete Mattes die deutsch-chinesische Zusammenarbeit bei Standardisierungsthemen. Ein erstes entsprechendes Memorandum of Understanding hatten der VDA und das chinesische Forschungszentrum für Automobiltechnik (CATARC) bereits im Januar 2018 unterzeichnet.

„Starke Partnerschaften sind unser Schlüssel zum Erfolg in China – sei es beim autonomen Fahren oder bei der Erschließung neuer Wachstumspotenziale. Die Verträge, die wir in den beiden vergangenen Tagen abgeschlossen haben, unterstreichen: Wir heben die Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland auf eine neue Stufe. Damit unterstützen wir Chinas ehrgeizige Pläne für den Ausbau der intelligenten und nachhaltigen Mobilität von morgen: reinelektrisch und vollautomatisiert“, sagte Harald Krüger, Vorsitzender des Vorstands der BMW AG.

Ola Källenius, Vorstandsmitglied der Daimler AG. Konzernforschung & Mercedes-Benz Cars Entwicklung sagte: „Automatisierte und autonome Fahrzeuge brauchen internationales Lernmaterial aus dem realen Straßenverkehr, um Verkehrssituationen richtig zu verstehen und auf unterschiedliche Szenarien vorbereitet zu sein. Mit der zweiten Kooperationsverlängerung des ‚Tsinghua Daimler Joint Research Center for Sustainable Transportation‘ bündeln wir gemeinsam mit unserem Chinesischen Partner, der renommierten Tsinghua Universität, unsere lokale Forschungs- und Entwicklungskompetenz. Die erst vor wenigen Tagen ausgestellte Genehmigung für die Erprobung von vollautomatisierten Testfahrzeugen auf öffentlichen Straßen in Peking bietet uns zudem eine weitere wertvolle Möglichkeit, unsere Entwicklungsbestrebungen auf diesem Gebiet voranzutreiben.“

Dr. Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG und Vorsitzender des Markenvorstands Volkswagen Pkw, erklärte: „Das Auto der Zukunft fährt nicht nur elektrisch. Es wird sich auch digital vernetzt und zunehmend autonom auf den Straßen bewegen. So lassen sich Unfälle vermeiden, die urbane Verkehrsbelastung verringern und die Geräusch- und Abgasemission drastisch reduzieren. Die Absichtserklärungen, die jetzt im Rahmen der 5. Chinesisch-Deutschen Regierungskonsultation sowie zwischen uns und unseren chinesischen Partnern unterzeichnet wurden, sind ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg, zukünftige Mobilität unter den bestmöglichen Voraussetzungen im Interesse aller zu gestalten. Durch den so forcierten Ausbau von Partnerschaften möchte der Volkswagen Konzern seine Position im wichtigen chinesischen Markt stärken.“

VDA-Präsident Mattes ging auch auf die angekündigte schrittweise Marktöffnung Chinas für ausländische Automobilhersteller ein: „Das ist ein wichtiger Schritt für offenere Märkte und ein klares Zeichen für freien Wettbewerb. China hat selbst großes Interesse daran, international erfolgreich zu sein, deshalb ist die Gleichbehandlung nationaler und internationaler Unternehmen eine entscheidende Voraussetzung. Diesen Weg der Öffnung des eigenen Marktes sollte China in allen Bereichen weiter gehen.“

Besorgt zeigte sich Mattes über die Eskalation im Handelskonflikt mit den USA. Die Erhöhung des Importzolls auf chinesischer Seite um 25 Prozentpunkte – als Reaktion auf Maßnahmen der USA – trifft insbesondere auch deutsche Hersteller: Knapp ein Fünftel der US-Produktion (150.000 von 804.000 Pkw) deutscher Hersteller ging 2017 als Export nach China. Dazu Mattes: „Alle Seiten sollten daher versuchen, in Gesprächen zu einer vernünftigen Lösung zu kommen. Ein Drehen an der Zollschraube kennt nur Verlierer – auf allen Seiten.“

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Eckehart Rotter

Verband der Auto­mobil­industrie e.V. (VDA)

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