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09.08.2018

Wärmeversorgung in den Städten Osteuropas und Zentralasiens

Hoher Modernisierungsbedarf bietet Geschäftschancen

(dena) - Die Wärmeinfrastruktur in den Städten Belarus’, Kasachstans, Russlands und der Ukraine ist veraltet, der Modernisierungsbedarf groß. Mit der länderübergreifenden Dialogplattform "Urbane Energieinfrastruktur in Osteuropa und Zentralasien" vernetzt die dena lokale Akteure und deutsche Unternehmen.

Zum Beispiel Russland: Siebzig Prozent der Fernwärmeinfrastruktur müssen nach Regierungsangaben in naher Zukunft ersetzt werden. Oder die Ukraine: In vierzig Prozent aller Wohnungen mit Zentralheizung gibt es laut Forschungstelle Osteuropa keine Wärmezähler. Oder Kasachstan: „Die meisten alten Heizkesselanlagen haben dort einen Wirkungsgrad von nicht einmal fünfzig Prozent“, sagt Danas Tropa, der bei Viessmann – Heizsystemhersteller und Partner der Dialogplattform – das Geschäft in mehreren osteuropäischen und zentralasiatischen Ländern leitet.

Eine ineffiziente Wärmeerzeugung, hohe Verluste in den Netzen, veraltete Technik – die Wärmeinfrastruktur in den Städten Russlands, Kasachstans, der Ukraine und auch Belarus muss dringend modernisiert werden. Kommunen und Wärmeversorger stellt das vor gewaltige Herausforderungen. Deutschen Unternehmen hingegen eröffnet sich hier ein interessanter Markt – für innovative Produkte genauso wie für Beratungs- und andere Dienstleistungen. „Dabei können sie von ihrem hervorragenden Ruf profitieren“, sagt Tropa. „In Kasachstan ist es erwünscht, bei Investitionen bevorzugt auf innovative und effiziente Technologien zu setzen − auch aus Deutschland.“

Gleiche Aufgaben, unterschiedliche Bedingungen

Die Aufgaben der Kommunen und Versorger in den vier Ländern ähneln sich: Es gilt, die Effizienz der Erzeugungsanlagen zu steigern, die Wärmenetze zu erneuern, den Verbrauch zu reduzieren und die Versorgungssysteme zu dezentralisieren. Dazu haben die Regierungen bereits Effizienzgesetze verabschiedet und Umsetzungsstrategien definiert. So etwa in Kasachstan, wo die Modernisierung der Energieinfrastruktur sehr hohe Priorität genießt: „Die kasachische Regierung hat sich das Ziel gesetzt, ‚Smart Cities’ zu schaffen, die sich durch eine hohe Lebensqualität und eine moderne Infrastruktur auszeichnen. Dazu gehören unter anderem eine effiziente Energieversorgung und innovative elektrische Netze“, sagt Audris Barcevicius, Präsident und CEO vom Plattformpartner Siemens Kasachstan.

Im Detail unterscheiden sich die Bedingungen in den einzelnen Staaten jedoch durchaus. Die wirtschaftlichen Anreize in der Ukraine und Belarus zum Beispiel sind groß, da die Länder auf Erdgasimporte angewiesen sind, was zu relativ hohen Energiepreisen führt. Russland und Kasachstan dagegen verfügen über reiche Vorkommen fossiler Rohstoffe. Energie ist dort sehr günstig, sodass sich Investitionen in Energieeffizienz erst nach längerer Zeit amortisieren.

Praxisbeispiele zeigen Modernisierungserfolge

Ein Hindernis für die Modernisierung der urbanen Wärmeversorgung ist, dass den lokalen Akteuren oftmals Informationen über den Nutzen von Investitionen in Energieeffizienz fehlen. Ein guter Grund für die dena, hier mit der länderübergreifenden Dialogplattform „Urbane Energieinfrastruktur in Osteuropa und Zentralasien“ einen Schwerpunkt zu setzen: Sie bringt Vertreter der Städte und der Versorger, deutscher Unternehmen und der Umsetzungspartner vor Ort zusammen, um einen Austausch über Chancen – und auch Herausforderungen – von Effizienzmaßnahmen zu ermöglichen. Experten präsentieren am Beispiel konkreter Projekte ihre Lösungen für eine zeitgemäße städtische Energieinfrastruktur. Der enge länderübergreifende Austausch fördert den Wissenstransfer und stößt Kooperationen an.

Die Dialogplattform richtet sich gezielt auch an diejenigen Unternehmen, die bereits in den vier Ländern aktiv sind, das Marktpotenzial aber noch nicht ausgeschöpft haben. Sie können anhand bereits durchgeführter Modernisierungsmaßnahmen demonstrieren, wie Kommunen und Versorger vom Know-how und der Technologie profitieren – und so Kommunen und Versorger überzeugen, Projekte anzugehen, die sie bislang gescheut haben.

Viessmann hat die Dialogplattform bereits sehr viel gebracht, berichtet Danas Tropa. „Wir haben auf mehreren Veranstaltungen der dena anhand erfolgreich umgesetzter Projekte dargelegt, was eine Verbesserung der Energieeffizienz den Kunden konkret bringt.“ Das habe zu vielen interessanten Gesprächen geführt; gerade auch mit Akteuren, die bislang noch nicht in Kontakt mit Viessmann waren. Tropas Fazit: „Die Vernetzung über die Dialogplattform ist für uns sehr wertvoll.“

Weitere Informationen

Kontakt

Dr. Philipp Prein

Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena)

‎(030) 66 777 - 641

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