Ägypten nutzt Wirtschaftskrise als Chance
Infrastrukturprojekte werden vorgezogen
06.01.2009
Die globale Wirtschaftskrise macht auch vor Ägypten nicht Halt. Zwar ist der Finanzsektor hier weniger betroffen, so dass Finanzspritzen der Regierung in diesen Sektor nicht erforderlich sind; dennoch ist eine Abschwächung der Wirtschaft zu erwarten. Besonders betroffen werden Exporte, Investitionen, Einnahmen aus dem Suez-Kanal und Tourismus sein. Aufgrund der nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklungen und Erfolge in den vergangenen Jahren verfügt Ägypten jedoch über ein stabileres Fundament als manche andere Länder.
Die ägyptische Regierung hat ihre Erwartungen für das Wirtschaftswachstum im laufenden Fiskaljahr 2008/2009 auf 5 bis 6% reduziert, während dieses im vergangenen Jahr noch bei 7,2% lag. Der IMF sagt für 2009 ein Wachstum von 6%, die Weltbank von 4,5% voraus, was damit noch deutlich über dem weltweiten Durchschnitt von 3 bzw. 0,9% liegen würde.
Gleichzeitig wird ein Rückgang der Inflation auf 12 bis 14% bis zum Ende des laufenden Fiskaljahres bzw. einstellige Raten im folgenden Fiskaljahr prognostiziert. Die sinkende Inflation macht es möglich, sich auf Maßnahmen zur Belebung der Wirtschaft zu konzentrieren. Dafür werden in den nächsten sechs Monaten, also bis Ende Juni 2009, 15 Mrd. EGP zusätzlich zur Verfügung gestellt. Dieser Betrag könne - auch unter Inkaufnahme eines steigenden Haushaltsdefizits – noch erhöht werden. Das vorgestellte Paket ist darauf ausgelegt, die Wirtschaft durch gezielte und nachhaltige Maßnahmen zu fördern. Die Mittel sind im wesentlichen für folgende Bereiche vorgesehen:
- Infrastrukturprojekte, die bereits für 2009 bis 2011 eingeplant waren, werden vorgezogen.
- Wettbewerbsbedingungen für Produktion und Exporte sollen verbessert werden durch verstärktes Marketing, Steuersenkungen sowie Aus- und Fortbildungsprogramme für Jugendliche.
- Förderung von Investitionen durch Steuerbefreiungen und –reduzierungen sowie günstigere Zahlungsmodalitäten bei Landerwerb und Versorgungsanschlüssen.
- Stärkung von Kleinen und Mittleren Unternehmen (KMU) durch Schaffung eines besseren Zugangs zu Krediten und anderen Nichtfinanz-Dienstleistungen. KMU sind mit 90% an den wirtschaftlichen Aktivitäten beteiligt und beschäftigen 70% der Arbeitskräfte.
Neben den Maßnahmen zur Stabilisierung der Wirtschaft nutzt die ägyptische Regierung die Krise als Chance, neue Märkte und Investoren zu gewinnen, aber auch begonnnene Wirtschaftsreformen konsequent und beschleunigt umzusetzen. Ägypten bietet damit weiterhin - vielleicht sogar verstärkt - interessante Perspektiven für ein geschäftliches Engagement. Die Deutsch-Arabische Industrie- und Handelskammer unterstützt Sie gerne und umfassend bei allen Fragen.
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