Mit High-Tech an die Weltspitze
Michael Glos
Quelle: BMWi
Im Oktober fand die 11. Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft in Seoul statt. Lesen Sie hier das Interview des bfai-Magazins "markets" mit den Schirmherren der Veranstaltung, Bundeswirtschaftsminister Michael Glos und dem Vorsitzenden des Asien-Pazifik-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft, Dr. Jürgen Hambrecht, zu den deutsch-asisatischen Wirtschaftsbeziehungen.*
markets: Nach 15 Jahren fand die Asien-Pazifik-Konferenz 2007 zum zweiten Mal in der koreanischen Hauptstadt Seoul statt. Wie haben sich das Gastgeberland und das Engagement deutscher Unternehmen in Südkorea seit der 4. APK 1992 verändert?
Dr. Jürgen Hambrecht
Quelle: BDI
Dr. Hambrecht: Korea gehört heute in vielen Märkten zu den Technologie-Führern, beispielsweise bei Flachbildschirmen oder Computerchips. Deutsche Unternehmen sind mittlerweile sehr gut in Korea aufgestellt und tragen durch ihre Produkte nicht unwesentlich zu den Erfolgen der koreanischen Automobil- oder der Chemieindustrie bei. Die gute Partnerschaft mit Korea beinhaltet natürlich genauso die Investitionen von Samsung, Hyundai und vielen anderen koreanischen Unternehmen in Deutschland.
BM Glos: Die deutsch-koreanischen Wirtschaftsbeziehungen waren schon vor 15 Jahren gut und die Investitionen deutscher Firmen in Korea in der Zeit der Asienkrise waren Ausdruck großen Vertrauens in die wirtschaftliche Vitalität des Landes. Korea ist nach China und Japan unser drittgrößter Handels- und Wirtschaftspartner im asiatisch-pazifischen Raum. Im vergangenen Jahr lag der Warenaustausch bei ca. 21 Mrd. €. Das ist eine Verdoppelung seit dem Jahr 2000 und fast viermal soviel wie Anfang der neunziger Jahre. Die Basis für eine noch intensivere Kooperation der Unternehmen unserer beider Länder ist viel versprechend.
markets: Deutschland und die EU haben multilateralen Verhandlungen im Rahmen der WTO lange Vorrang gegeben. Die EU möchte nun neue Verhandlungen von bilateralen Freihandelsabkommen mit verschiedenen Staaten in Asien aufnehmen. Wie kam es zu dieser Entscheidung und welche Vorteile erhoffen Sie für den Marktzugang deutscher Unternehmen?
BM Glos: Ein erfolgreicher Abschluss der Doha-Runde ist nach wie vor erste Priorität der Bundesregierung. Der weitere Abbau von Handelshemmnissen im multilateralen Rahmen liegt im wohlverstandenen Eigeninteresse der Industrie- als auch der Schwellen- und Entwicklungsländer. Auf die zahlreichen neuen bilateralen Freihandelsabkommen in Asien musste die Europäische Union jedoch reagieren, um Marktzugangsnachteile für die europäische Wirtschaft zu vermeiden.
Dr. Hambrecht: Wichtig ist hier ein ausgewogener Policy-Mix. Ich stimme zu: Absolute Priorität müssen dabei die WTO-Verhandlungen haben. Der Kurs der EU-Kommission, bilaterale Freihandelsverhandlungen zum Beispiel mit Südkorea und den ASEAN-Ländern zu führen, ist als ergänzender Baustein zu sehen und deshalb richtig. Dabei sind aus Sicht der deutschen Wirtschaft vier Ziele von höchster Wichtigkeit: der vollständige Abbau von Industriezöllen, die Beseitigung aller nichttarifären Handelshemmnisse, die lückenlose Umsetzung des Schutzes geistigen Eigentums und eine verbindliche Schlichtung von Streitfällen.
markets: Unzählige Länder haben in den vergangenen Jahren neue bilaterale und regionale Freihandelsverhandlungen eröffnet. Der Generaldirektor der WTO, Pascal Lamy, rechnet bis 2010 mit einem nahezu unübersichtlichen Netz von weltweit 400 Präferenzabkommen. Worauf muss sich die deutsche Wirtschaft einstellen und welchen Rat geben Sie deutschen Unternehmen?
BM Glos: In der Tat – Experten haben das weltweite Geflecht von Freihandels- und Präferenzabkommen wegen seiner Unübersichtlichkeit bereits karikierend als „Spaghettischüssel“ bezeichnet. Deutschen Unternehmen kann ich daher nur empfehlen, sehr genau das Umfeld und alle Umstände des Einzelfalls zu prüfen, bevor sie mit Blick auf die erhofften Wirkungen von bilateralen oder regionalen Freihandelsabkommen eine Produktion ansiedeln.
Dr. Hambrecht: Unternehmen müssen dort sein, wo die Kunden sind. Auch die deutschen Unternehmen werden deshalb weiter viel im Ausland investieren. Besonders in Asien drängen wir deshalb auf gleiche Bedingungen wie sie unsere wichtigen Wettbewerbsländer haben. Wenn diese aus Freihandelsabkommen resultieren, muss die EU eben eigene Abkommen anstrengen. Diese Verträge sollten aber stets einen Baustein zu einem weltweiten Abkommen darstellen und dieses nicht behindern.
markets: Die Sicherung der Rohstoffversorgung gehört zu den großen Themen der Zukunft. Sogar Länder wie China und Indien versuchen daher aufgrund gemeinsamer strategischer Interessen in diesem Bereich zu kooperieren. Müsste die EU in Ihren Augen eine gemeinsame Rohstoffsicherungspolitik verfolgen?
BM Glos: Fairer Zugang zu den weltweit verfügbaren Ressourcen und transparente Preisgestaltung auf den internationalen Rohstoffmärkten sind wichtige Vorbedingungen, damit die Weltwirtschaft weiterhin auf Wachstumskurs bleibt. Wir müssen mit den stark rohstoffabhängigen Volkswirtschaften in Asien auf Augenhöhe über Fragen der langfristigen Rohstoffversorgung und des Abbaus von Wettbewerbsverzerrungen im internationalen Rohstoffhandel ins Gespräch kommen. Dafür ist ein abgestimmtes Vorgehen im EU-Kreis hilfreich. Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft im 1. Halbjahr 2007 und der deutsche G8-Vorsitz haben dieses Thema daher weit oben auf die Agenda gesetzt. Erste Erkenntnisse, die wir in der Diskussion mit unseren Partnern gewonnen haben, müssen jetzt rasch in konkrete Politik umgemünzt werden.
markets: Die asiatischen Volkswirtschaften dürften auch künftig das "Powerhouse" der Weltwirtschaft sein. Gleichzeitig rücken Themen wie Nachhaltigkeit und Energieeffizienz zunehmend ins Blickfeld. Welche Chancen für eine verstärkte Zusammenarbeit sehen Sie?
Dr. Hambrecht: In Ländern wie China wächst die Sorge, dass die Kosten durch Umweltschäden die Gewinne des hohen Wirtschaftswachstums zunichte machen könnten. Für die Lösung von Umweltproblemen dieser Größenordnung, die Gewährleistung von Energieversorgungssicherheit und die Steigerung der Energieeffizienz steht die deutsche Industrie als starker und innovativer Partner bereit. Dies zeigen Beispiele aus dem Bereich der erneuerbaren Energien: In Korea sind gut drei Viertel der gesamten ausländischen Anmeldungen im Bereich Windenergie deutsche Patent-Anmeldungen. Das indische Windkraftunternehmen Suzlon lässt mittlerweile in Deutschland forschen und schöpft daraus einen großen Teil seiner Innovationskraft. Wie effektiv wir unseren Wettbewerbsvorsprung sichern können, hängt daher auch davon ab, wie gut wir unsere Chancen in Asien nutzen.
markets: Asien wird immer innovativer. Bietet diese Entwicklung trotz der wachsenden Konkurrenz auch neue Möglichkeiten für High-Tech-Kooperationen mit asiatischen Wirtschaftspartnern?
Dr. Hambrecht: Bei Innovationen die Nase vorn zu haben, ist der entscheidende Erfolgsfaktor im globalen Wettbewerb! Dafür müssen wir in Deutschland massiv in Forschung und Entwicklung investieren. Die Lissabon-Strategie der EU und der Ausbau der Forschungsförderung in Deutschland weisen in die richtige Richtung. Kooperationen mit Partnern in Asien spielen dabei eine wichtige Rolle, da es kein Land heute mehr im Alleingang schafft, die entscheidenden Technologiefelder zu dominieren. Aber: wir wollen nur Forschungskooperationen eingehen, bei denen die Interessen beider Seiten durch verlässliche Rahmenbedingungen geschützt werden. Besondere Chancen bieten daher F&E-Kooperationen mit Hochtechnologieländern wie Japan, Korea, Singapur und Taiwan.
BM Glos: Die Partnerschaft deutscher Forschungseinrichtungen und technologieorientierter Unternehmen mit qualifizierten Partnern in Asien wird immer wichtiger und erfordert die weltweite Vernetzung der besten Forscher - und dies werden zukünftig vermehrt asiatische Forscher und Entwickler sein. Die Bundesregierung unterstützt solche Partnerschaften, z. B. durch ihre Botschaften vor Ort und durch zahlreiche Fördermaßnahmen, wie Hermes Bürgschaften und das Auslandsmesseprogramm. Unser Ziel ist es, dass Deutschland 2020 gemeinsam mit den asiatischen Ländern zur technologischen Spitzenklasse zählt.
markets
Quelle: bfai
* Gekürzte Fassung. Das vollständige Interview finden Sie in der Sonderausgabe der gtai-Markets zur 11. Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft (Oktober 2007).
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